Wie man ein Bergwerk lahm legt

Gespräch mit Martin Conrath
über seinen Saar-Krimi

Martin Conrath (Foto: SZ) aus Lisdorf hat seinen zweiten Saarland-Krimi vorgelegt. „Das schwarze Grab“ bekam beste Kritiken. Silvia Buss sprach mit dem Autor über die Arbeit an seinem Buch. Am 10. Dezember signiert er sein Buch bei Pieper Bücher und Musik in Saarlouis.

Herr Conrath, Ihr Saarland-Krimi „Das schwarze Grab“ verblüfft durch seine exakten Beschreibungen der Welt unter Tage. Kannten Sie sich aus im Bergbau? Oder haben sie monatelang recherchiert?

Conrath: Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich ein Bild vom Bergbau, das der Zeit von 1880 entsprach: Dass da irgendwelche Leute herumpicken und die Kohle aus dem Berg schaufeln. Aber dass das eine gigantische Industrie ist, das war mir einfach nicht bewusst. Ich komme aus einer Bauernfamilie, hatte also weder mit Stahl noch mit Kohle etwas zu tun. Dann habe ich in der Tat monatelang recherchiert, Bücher gelesen, 60 Interviews geführt, mit aktiven Bergleuten, einem ehemaligen Vermessungsingenieur, Psychologen – jeder nannte mir noch einen anderen Fachmann, mit dem ich unbedingt reden sollte. Das einzige, was ich in der Zeit nicht geschafft habe, ist, unter Tage zu kommen.

Haben Sie erst recherchiert und dann überlegt, wie man daraus eine Krimihandlung entwickeln kann?

Conrath: Nein, das war umgekehrt. Ich habe ein bisschen vorrecherchiert und dann festgestellt: Das ist das optimale Spielfeld für einen Mord unter Tage. Ich habe ein Exposé geschrieben und das wieder verschiedenen Bergbau-Experten vorgelegt. Der Effekt war, dass ich bei der Firma Saarmontan drei Bergleute vor mir hatte, die nur milde grinsten und sagten, so gehe das alles nicht. Also habe ich mit den Ingenieuren neu ausbaldowert, wie man ein Bergwerk lahm legen kann, so wie ich es im Buch dann beschrieben habe. Während des Schreibens habe ich immer noch weiter recherchiert, um meine Fantasien zu überprüfen. Und dabei neue Anregungen bekommen. Das war wie Pingpong.

Bergbau-Befürworter und -gegner prallen in ihrem Krimi wie verfeindete Heere in einem Krieg aufeinander. Wie stark haben Sie da übertrieben?

Conrath: Kaum, auch wenn es in der Realität bisher noch nicht so handgreiflich wurde wie im Roman. Aber die Feindbilder, die Aggressionen sind so stark, das habe ich selbst mitbekommen, dass manchmal ein Funke genügen würde. Wäre ja schön, wenn der Krimi dazu beitragen könnte, dass es so weit nicht kommt. Bei Lesungen haben mir Betroffene auf beiden Seiten bestätigt: Genau so ist es!

Sie ergreifen als Autor keine Partei.

Conrath: Ich kann beide Seiten verstehen. Entweder es gibt Bergbau, und dann gibt es Zerstörung und Erdbeben. Oder es gibt keinen Bergbau, keine Zerstörung, aber auch keine Kohle. Für diese Interessenskonflikte gibt es keine Lösung, da hilft auch kein Aufruf, man solle doch nett miteinander reden. Das ist vollkommener Quatsch. Sondern es wird sich die eine oder andere Interessenposition durchsetzen.

Regionalkrimis wird als Genre oft vorgehalten, vor lauter Bemühen um exakte Beschreibung der realen Gegebenheiten die literarische Qualität zu vernachlässigen.Ist das eine Gefahr?

Conrath: Nein. Mankell hat ja auch als Regionalkrimi-Autor angefangen. Ich finde, es ist kein Makel, sondern ein Vorteil, wenn ich in den Gegebenheiten sicher bin, mit denen ich mich auseinander setze. Ob jemand gut schreiben kann, ist eine ganz andere Frage.

Martin Conrath: Das schwarze Grab. Emons Verlag, 9 Euro. Nächste Siegnierstunde am Samstag, 10. Dezember, elf bis 13.30 Uhr bei Pieper Bücher und Musik am Großen Markt in Saarlouis. Udo Redlich und Talking Earth Trust machen Musik dazu.