

Es gibt mindestens drei Gründe, warum man diesen Krimi mit Gewinn liest. Da ist erstens die handwerklich gut gemachte Geschichte mit stabilem Spannungsbogen,glaubwürdigen Charakteren und lebendiger Sprache. Der Saarbrücker Kommissar Martin Bremer kehrt nach längerer Auszeit (Näheres dazu im vorangehenden Roman „Stahlglatt") an seinen Schreibtisch zurück und hat gleich einen besonders blutigen Mord an einer lebenslustigen Frau aufzuklären. Unter Verdacht steht ihr eifersüchtiger Ex, ein Bergmann mit Bärenkräften.
Doch dann drängt sich ein großes Ding in den Vordergrund: Der Empfang der Staatskanzlei in einem stillgelegten Bergwerk endet in einer Katastrophe. 87 Menschen werden in l 000 Metern Tiefe eingeschlossen, bedroht von tödlichen Grubengasen, Erdbeben - und von einem Mörder,der seine Variante von „zehn kleine Negerlein" spielt.
Über ein unversehrtes Telefonkabel versucht Bremer, die Laien unter Tage zu Hilfspolizisten zu machen. Die aber sind anderweitig beschäftigt. Denn bei Todesgefahr fallen ganz schnell die zivilisatorischen Hüllen, und aus der Cocktailgesellschaft wird ein triebgesteuerter Mob. Die Schilderung dieses Rückfalls in die Steinzeit ist der zweite große Pluspunkt des Romans. Der dritte: Während der unterhaltsamen Lektüre lernt der bisher uninformierte Leser eine Menge dazu. Wie ein Bergwerk funktioniert zum Beispiel, was für und gegen Kobleabbau in Deutschland spricht, und aus welchem Holz ein Bergmann geschnitzt sein muss, damit er unter Tage nicht zerbricht. sob
Martin Conrath: Das schwarze Grab, Emons Verlag. 287 Seiten, neun Euro.
